EGL031 Oppenheimer: Die Trinity der Atombombe-Urteil-Intrige Zeitstränge

Der unaufhaltsame nukleare Countdown

2023, Florian Clauß & Micz Flor
Eigentlich-Podcast
https://eigentlich-podcast.de/

Im Delphi Filmpalast am Zoo sahen wir Christopher Nolans Film "Oppenheimer" und beginnen -- während der Abspann noch läuft -- vor dem Kino mit einer Reflektion des Films. Es geht im Film um die Lebensgeschichte von J. Robert Oppenheimer, einem amerikanischen Physiker, der eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Atombombe während des Zweiten Weltkriegs spielte. Nolans Blockbuster beginnt mit Oppenheimer, der seine Lebensgeschichte vorlesen möchte. Er tut dies in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg vor einem Untersuchungsausschuss, also auch nach der Glanzzeit von J. Robert Oppenheimer, dem charismatischen Wunderkind der Wissenschaft. Seine Erzählung trägt uns zurück in die Studienzeit Oppenheimers begleitet. Zu den beiden Zeitebenen "Werdegang" und "Untersuchungsausschuss" kommt noch ein dritter hinzu: "Intrige". Erst wenn alle drei Stränge sich ineinanderfalten und die Trinity von Atombombe-Urteil-Intrige explodiert, kommt der Film zum Urteil: alleine wenn etwas passieren kann, ist alles schon zu Ende.

Generated Shownotes

Chapters

0:00:00 Intro
0:02:04 Die Tour
0:02:52 Emotionale Verfassung zum Ende des Films
0:06:37 Barbie und der Berliner Nachtlauf
0:06:58 Die Filmografie des Regisseur Christopher Nolans
0:08:49 Memento, Zeit und anterograde Amnesie
0:15:37 Inception, Zeit, Licht und Film
0:18:19 Insomnia, Skandinavien und die Trinity Pacino, Williams, Nolan
0:22:43 Batman Begins
0:22:48 Prestige, Wolverine und Tesla
0:24:18 The Dark Knight 2008, Inception 2010, The Dark Knight Rises 2012
0:24:58 Interstellar 2014, Dunkirk 2017, Tennet 2020
0:25:32 Soundtrack: Ludwig Göransson vs. Hans Zimmer
0:26:50 Sound Effekte und Editing bei Oppenheimer
0:27:52 Flo vergleicht Nolan und Kubrick
0:29:28 Der All-Stars-Cast von Oppenheimer
0:31:34 Oppenheimer, wir fangen noch mal beim Ende an
0:32:25 Zeitebenen im Film und Oppenheimers Leben
0:33:23 Bio: Manhattan Project, Los Alamos, Trinity
0:34:29 Bio: Später Untersuchungsausschuss und Kommunismus-Verdacht
0:35:05 American Prometheus Buch, Materie ist Energie und Prometheus-Sage
0:36:42 Bio: McCarthy, Überwachung und Nähe zur Kommunistischen Partei
0:38:22 Der Film beginnt am Ende
0:39:14 Drei Erzählstränge, einer in Schwarz-Weiß. Warum?
0:40:43 Sprung in die Studienzeit, erste Visionen und Berufung
0:41:33 Oppenheimers Geniestreich: Quantenphysik und New Mexico zusammenbringen
0:42:15 Farbprofile der Zeitebenen
0:44:07 Warum Lewis Strauss in Schwarz-Weiß?
0:45:55 Drei Geschwindigkeiten der Erzählungen, die sich treffen
0:46:50 Bio: frühe Jahre, Cambridge, vergifteter Apfel
0:50:43 Charisma und Begeisterung bei Oppenheimer
0:51:48 Amerikas Paradox der Zeit: Kommunismus als Verbündete und Feinde
0:55:11 Oppenheimer im Film blickt hinter die Welt
0:56:06 Oppenheimer bringt die Quantenphysik nach Amerika
0:57:36 Oppenheimer publiziert als erster über Schwarze Löcher
0:58:44 Militär und Wissenschaft zusammen und bleiben getrennt
1:01:15 Viel Dialog und nur Gesichter
1:02:13 Natur für die ältere Generation, Gödel und Einstein
1:03:25 Zenith der Wissenschaflter:innen vor dem 30. LJ
1:04:18 Moral und 'Die Physiker' bei Friedrich Dürrenmatt
1:05:41 Oppenheimers Glaube die Bombe sei das Ende aller Kriege
1:08:00 Völkerrechtliche Sonderrolle der Kernwaffen
1:10:04 Holocaust und Atombombe das Ende der Geschichte
1:10:34 Gehen wir in den Film oder in den Zeitgeist?
1:11:43 Micz findet Cillian Murphy zum ersten Mal richtig gut
1:13:48 Tiefe Frequenzen aus der Quantenwelt im Sound-Design
1:16:30 Stille und Körper bei Oppenheimer, Cop Land, There Will Be Blood
1:19:11 Licht ist Erleuchtung und Tod
1:20:47 Oppenheimers Rede in Los Alamos nach Hiroshima
1:22:44 Emily Blunts Rolle bringt die Emotionen in die Männerwelt
1:24:46 Warum jetzt dieser Film?
1:26:48 Über Klimaerwärmung und künstliche Intelligenz
1:30:10 Manhattan-Projekt und Mondlandung als große Herausforderungen mit viel Geld ein Ziel zu erreichen
1:31:53 Verbesserung der Situation zum Klimawandel durch viel Geld
1:37:14 Standortbestimmung
1:37:57 Deshalb die Emotionen direkt nach dem Film
1:40:39 Emely Blunt als die Trägerin von Emotion
1:41:29 War Oppenheimer ein guter Film? Micz Antwort.
1:44:44 Ist der Film als Biopic gelungen?
1:46:43 Frage an Flo: findest du den Film ein gelungenes Biopic?
1:49:37 Erklärungsansätze für die Szenen in schwarz/weiß
1:51:23 Die Frage nach der Verantwortung von Wissenschaftler:innen für ihre Entdeckungen auch die ethischen Konsequenzen zu tragen
1:55:42 Verpflichtung begabter Menschen ihre Gabe den Staat einzusetzen
1:56:55 Open Access als Antwort für die Wissensdomäne
1:59:47 Next Level: Kernfusion
2:01:07 Wie viele Eigentlich Laufrouten haben wir während unserer Aufnahme gekreuzt?
2:02:47 Wie stark uns der Film emotional getroffen hat
2:04:22 Outro

Long Summary

In dieser Episode sprechen wir, Mitch, Floor, Florian und Klaus, über unsere Eindrücke nach dem Besuch einer Filmvorführung im Delphi-Filmpalast am Zoo. Während wir durch die Straßen laufen, diskutieren wir unsere emotionalen Reaktionen auf den Film. Floor empfindet eine gewisse Zerstörung und Vernichtung, während ich von Wut und Hilflosigkeit geprägt bin. Wir finden es beide beunruhigend, wie realistisch die Zerstörung der Erde dargestellt wurde.

Danach setzen wir unsere Diskussion fort und sprechen über den Regisseur Christopher Nolan und seine Filme. Ich erzähle, dass mein erster Nolan-Film "Memento" war und wie mich seine Fähigkeit beeindruckt hat, eine starke Geschichte mit emotionaler Wirkung zu erzählen. Wir tauschen unsere Eindrücke zu weiteren Nolan-Filmen wie "Batman Begins" und "Interstellar" aus und wie sie uns beeindruckt haben. Micz erwähnt auch das Gefühl des ständigen Vorwärtsdrängens in Nolans Filmen und vergleicht es mit dem Film "John Wick". Wir sind uns einig, dass Nolan ein Meister darin ist, mit Zeitebenen im Film zu spielen.

Wir diskutieren auch über den Film, den wir gerade gesehen haben, "Oppenheimer", und wie er die Geschichte von Oppenheimer und dem Manhattan-Projekt behandelt. Wir betrachten die Themen Wissenschaft, moralische Verantwortung und Politik, die in dem Film miteinander verknüpft sind. Micz und Flo gehen auch auf die Verwendung von Sound im Film ein und wie er die Bedrohlichkeit des atomaren Potenzials vermittelt. Wir diskutieren auch die Relevanz des Films für die heutige Zeit und die Notwendigkeit, aktiv zu handeln, um Herausforderungen wie den Klimawandel zu bewältigen.

Micz äußert Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit des technologischen Fortschritts und betont, dass jetzt Investitionen in Lösungen für den Klimawandel notwendig sind. Flo betont die Bedeutung eines gemeinsamen Mindsets und den Aufbau von Schlüsseltechnologien für alternative Energiequellen. Wir stimmen überein, dass eine Anstrengung ähnlich einer Mondlandung erforderlich ist, um den Klimawandel anzugehen.

Wir diskutieren auch ethische Fragen im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Entdeckungen und wie diese Informationen geteilt und genutzt werden sollten. Wir sind der Meinung, dass Wissen nicht nur zum Vorteil einer bestimmten Nation, sondern für die ganze Menschheit genutzt werden sollte. Flo erwähnt die Bedeutung der Kernfusion als Lösung für das Energieproblem der Menschheit.

Schließlich geben wir noch ein kurzes Fazit zu unserem Filmabend und ermutigen unsere Zuhörer, weitere Informationen auf unserer Website zu finden.

Brief Summary

In dieser Episode sprechen wir, Mitch, Floor, Florian und Klaus, über unsere Eindrücke nach dem Besuch einer Filmvorführung im Delphi-Filmpalast am Zoo. Wir diskutieren unsere emotionalen Reaktionen auf den Film, erkunden das Werk von Regisseur Christopher Nolan und betrachten die Themen des Films "Oppenheimer". Außerdem diskutieren wir die Relevanz des Films für aktuelle Herausforderungen wie den Klimawandel und ethische Fragen im Hinblick auf wissenschaftliche Entdeckungen. Wir schließen mit einem kurzen Fazit und ermutigen die Zuhörer, weitere Informationen auf unserer Website zu finden.

Tags

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Transcript

Intro


Micz:
[0:29] Wollen wir gerade klatschen?

Flo:
[0:47] Läufts?

Micz:
[0:47] Läufts gut? Läuft es? Gucken wir mal. Bei mir sind sie gerade wieder ausgesetzt.
Ja, hallo zu eigentlich-podcast.de.
Oder zwar nicht Podcast.
Wir kommen gerade aus dem Delphi-Filmpalast am Zoo und haben uns Oppenheimer angeschaut.

Flo:
[1:10] Wir, das sind Mitch, Floor und Florian und Klaus, hallo bei eigentlich Folge Nr.
31, wo wir laufend reden und im Reden laufen.

Micz:
[1:21] Und im Regen laufen, als wir herkamen, aber jetzt gerade regnet es nicht und wir machen heute ein bisschen was besonderes, weil eigentlich bin ich quasi dran als Präsentator der Folge, aber wir hatten Zeit und Lust uns einfach den Film anzugucken und dann rauszukommen und gemeinsam einfach mal zu gucken was passiert, wenn wir das ins Mikrofon gießen.

Flo:
[1:47] Die ersten Eindrücke aus dem aus dem Kino, aus dem Filmerlebnis.

Micz:
[1:51] Wow! Hier links ist das quasi Modo.
Das ist Open Air Jazz scheinbar.
So, wir gehen über die Ampel.

Flo:
[2:03] Und wir müssen auch den Track aufnehmen.

Die Tour


Micz:
[2:08] Warte mal, wir rennen hier noch die letzten Meter.
Wo geht's lang?

Flo:
[2:16] Ja, wir laufen jetzt so... Wir sind im Delphi Filmpalast gewesen. Das ist...
Um die Ecke vom Zoo. Ich dachte, wir machen jetzt einen kleinen Schwenk, Richtung Wilmersdorf-Schöneberg runter am Viktoria-Logise-Platz und laufen dann in Nebenstraßen, gucken, dass wir möglichst wenig befahrene Straßen finden, zum Gleis-Dreieck-Park.
Also das mit dem wenig Befahren stellt sich jetzt noch nicht so passend dar.

Emotionale Verfassung zum Ende des Films


[2:53] Es ist Samstagabend, wir sind in der Westcity.

Micz:
[2:55] Wir winken mal hier rechts ein, ich hab nämlich das Gefühl, wenn wir jetzt einfach erst mal so rausgießen, dass wir vielleicht erst mal das Emotionale rausgießen, was erleben wir, was fühlen wir gerade.
Das ist ja immer das, was einen am meisten verunsichert und was man schnell versucht, wieder einzufangen.
Wenn wir hier unter der S-Bahn durchlaufen, dann haben wir es, glaub ich, ein bisschen ruhiger.

Flo:
[3:18] Ja.

Micz:
[3:18] Fang du mal an, was ist so emotional? Was sind die Worte an Emotionen, die du so assoziierst mit dem, wo du rausgekommen bist?

Flo:
[3:28] Also, wir werden ... Ich muss jetzt vorabstellen, dass wir bei dem Film jetzt spoilern werden. Das heißt, wer den Film noch nicht gesehen hat und ihn noch sehen möchte, der sollte diese Folge nicht anhören.
Weil ich möchte auch ganz ... ganz nah noch ...
Das Ende des Films ist schon eine ziemliche Explosion nochmal und gibt quasi so die ganze Motivation von Oppenheimer nochmal so einen gewissen Thrill, so einen Spin, weißt du, so ein...

Micz:
[4:06] Also ist das das Gespräch mit Einstein zum Schluss?

Flo:
[4:09] Ja. Also die Auflösung, das sieht man relativ am Anfang von dem Film, sieht man Oppenheimer und Einstein, wie sie sich auf so einen...

Micz:
[4:18] Nee, nee, aber jetzt erstmal Emotionen, bevor wir jetzt irgendwie nicht so...
Was waren so Gefühle, mit denen du rausgekommen bist?

Flo:
[4:32] Ähm... Ich hadere gerade so, weil... Ich... Gerade die Emotionen werden ja ganz stark vom Sound geleitet und der Sound oder die Komposition.

Micz:
[4:45] Aber was waren die Emotionen?

Flo:
[4:47] Es war schon so was ... Ha! Es war schon was extrem ... Vernichtendes.

Micz:
[4:54] Ja.

Flo:
[4:54] Und es war was sehr Destruktives am Ende. Was ...
Einen auch nicht da jetzt irgendwie rauskommen lässt und sagen, okay ...

Micz:
[5:03] Aber was hast du erlebt? Was wär die Emotion?

Flo:
[5:07] Na ja, die Emotion ... ist ... Von mir her schon so eine gewisse Zerstörungsempfindung.

Micz:
[5:20] Also, dass du zerstört wirst, oder dass dein Leben schon zu Ende ist.

Flo:
[5:25] Dass die ... die Erde kaputtgeht.

Micz:
[5:31] Ja, das fand ich auch. Also, es war halt so ein ... Mh ...
Ja. Also, von Emotionen her war das auch so. War so eine große Wut bei mir, dass das halt ...
Wirklich so gekommen ist, ne? wie er da ja auch dieses Sanskrit-Zitat Ich bin der Tod, der Zerstörer von Welten oder so, ich kann es jetzt nur paraphrasieren, dass das halt irgendwie so wahr ist als Versprechen.
Was die allererste Folge war, wo du gesagt hast, bei dem Buch Contact, dass natürlich irgendwann hinten bei Pi dieser Kreis zwischen Nullen und Einsen irgendwie gezeichnet wird, weil es einfach nur, wenn es möglich ist, dann wird es irgendwann passieren bei einer unerblichen Fortführung.
Und das war so dieses Gefühl, was dann irgendwie war, so eine Wut und eine Niedergeschlagenheit, so eine Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit auch irgendwie, dass man halt jetzt einfach so drin hängt.
Wenn man sich mit Oppenheimer identifiziert, dann auch so,

Barbie und der Berliner Nachtlauf


[6:40] eine Niederlage, Gegenüber ist jetzt Barbie-Kino, das wäre natürlich jetzt noch ein Doppel-Doppel-Pack oder irgendwie sowas.

Flo:
[6:46] Ja, und wir kommen hier gerade auf die Strecke von dem Berliner Nachtlauf, der heute stattfindet.
Das heißt, wir müssen uns erstmal hier den Übergang finden, wie wir hier über die Straße kommen.

Micz:
[6:57] Ja.

Flo:
[6:58] Ja, das war jetzt so der erste Emo-Shot nach dem Bio-Pic.

Die Filmografie des Regisseur Christopher Nolans


[7:07] Ich würde vielleicht, bevor wir jetzt da in den Film nochmal so reingehen, würde ich vielleicht noch ein paar Worte zu Nolan verlieren.

Micz:
[7:20] Ja, super.

Flo:
[7:21] Ja? Also, wann ist dir Nolan das erste Mal so, Christopher Nolan?

Micz:
[7:29] Memento war der erste.

Flo:
[7:30] Memento, das war so, das war tatsächlich auch so der erste Film, der mich total begeistert und geflasht hat.
Die Art, also seine Erzählung in so einer, strengen Geschichte dann aber doch eine unglaubliche Emotion zu transportieren.
Das ist, glaube ich, so das Handwerk von Nolan, dass er filmisch und auch von der Geschichte, von der Regie und vom Drehbuch, ja, dass er so ein ganz, also er kann halt einfach so ein Zeitgeisten, so ein Mindset irgendwo in der Zeit ganz gut aufgreifen.
Ich denke nur an Interstellar.
Und Interstellar war irgendwie dieser Film, der ganz viele zu der Zeit ziemlich stark geprägt hat.

Micz:
[8:26] Was eingefangen hat, rein emotional, was für mich so quasi als Emoblase aus der Zeit, von vor sieben jahren glaube der war dann 2015 hat er total das so eingefangen weiß was ich meine ja kannst du das auch so bestätigen oder

Memento, Zeit und anterograde Amnesie


[8:50] was ich heute also was ich bei nolan das ding ist momento der film ist mir total aufgefallen und der schauspieler des namens ich inzwischen vergessen habe den ich sehr gut finde und der dann glaube ich später bei so einem remake von mit den morlocks irgendwie noch mal so mitgemacht hat, keine Ahnung.
Und natürlich die Schauspielerin von A.G.

Flo:
[9:11] Wells, die Zeitmaschine, oder?

Micz:
[9:13] Ja, ja, genau.

Flo:
[9:13] Hatte der mitgemacht? Wann wurde der neu verfilmt?

Micz:
[9:16] Das wurde irgendwann danach, war das.

Flo:
[9:18] Ach echt? Okay.

Micz:
[9:19] Ich glaube, also ich bin mir ziemlich sicher. Und dann war eben die Schauspielerin von Matrix, die war ja auch noch in Memento mit drin und ich glaube sogar Cypher.
Von Matrix war auch drin, der dann irgendwie zum Schluss sagt, ey, du checkst ja die Story eh nicht.
Du kannst ja eh nix merken, deshalb alle benutzen dich, alle gebrauchen dich.
Und ich fand den Film total spannend, diese beiden Schauspieler kannte ich so aus Matrix. Der Film hat mich irgendwie auch sehr geflasht, Memento hat mich sehr geflasht, aber dann war so was ganz anderes, war halt eher so ein Kammer-Spiel, so ein Low-Budget-Ding eigentlich.
Das fand ich total großartig, dass man sowas Intensives machen kann.
Aber Nolan als Name habe ich gar nicht. Der kam dann erst mit Batman Begins.
Erst dann habe ich dann mitbekommen, ach, das war der gleiche Regisseur.

[10:16] Und was ich jetzt dann irgendwie in Verbindung mit Oppenheimer und Memento und eigentlich auch Batman, ist es eigentlich so ein John Wick Feeling.
Es hört bei Nolan nie auf, es steht nie still.
Selbst wenn die Zeitleisten sich ineinanderfalten und asynchron alles geschnitten ist, trotzdem hast du das Gefühl, der geht die ganze Zeit vorwärts.
Und jetzt auch, weil das so drei Stunden lang, dass der die ganze Zeit Schritt für Schritt vorwärts geht, da hatte man nicht wirklich einen Moment.
Es gab so Aha-Momente, was du auch schon beschrieben hast, eben das Gespräch mit Einstein zum Schluss.
Interstellar, dieser Moment, wo Matthew McConaughey diese Uhrzeiger-Ticker-Sache macht, so durch diese Parallelzeitwelten, also es gibt dann immer so Sachen, wo es ineinanderfällt, was man bei John Wick, glaube ich, so nicht hat.
Ehrlich gesagt, kenne ich da auch nur die ersten drei.
Aber trotzdem, jetzt auch wieder drei Stunden, die ganze Zeit das Gefühl gehabt, und weiter, und weiter, und weiter, und weiter.
Gleichzeitig gezogen und getrieben. Aber du bist in so einer Maschine drin, wenn du unten Filme machst, wo du einfach, egal ob es jetzt Batman, Bane, Oppenheimer, du bist einfach irgendwie drin.

Flo:
[11:28] Das kann ich nachvollziehen. Obwohl ich dann an einem Punkt nicht widerspreche, aber vielleicht ergänzen.
Man treibt quasi den Charakter, die Handlung weiter mit den Charakteren.
Allerdings, und das hat sich ja auch beim Memento schon so gezeigt, dass der ein ganz virtuos mit den Zeitebenen umgehen kann im Film.
Und das ist eigentlich auch so das Auszeichnungsmerkmal von Christopher Nolan.
Die Memento, wo, ich meine, die Anekdote hat man ja schon oft erzählt, aber das muss man ja immer, Memento, der Film wird rückwärts erzählt, Der Hauptdarsteller, der Charakter, hat im Prinzip eine Gedächtnisstörung.
Immer wenn er aufwacht, hat er alles vergessen. Deswegen ist sein Körper überseht.

Micz:
[12:14] Nicht, wenn er aufwacht, sondern die Überführung von Kurzzeit ins Langzeitgedächtnis ist nicht möglich.
Das heißt, er hat etwa so etwas wie 40 Sekunden Zeit, in denen er sich irgendwie Dinge merken kann. Und die ganz wichtigen Sachen versucht er sich eben auf die Haut zu tätowieren, bevor sie verschwinden.

Flo:
[12:31] Ja, genau.

Micz:
[12:31] Und da gibt es zum Beispiel diese eine Szene, die eben nicht geschnitten ist, sondern wo es quasi ein Reveal ist, wie es ihm eigentlich geht, ist, dass die Frau aus Matrix ihm halt irgendwie so sagt, ey, du bist echt ein Depp in gewisser Weise.
Und dann schreibt sie irgendwas auf einen Zettel oder so und dann geht sie aus der Wohnung raus.
Und er versucht einfach, ne Quatsch, sie geht einfach nur aus der Wohnung raus und sie sagt ihm, du wirst dich eher nicht erinnern können.
Und er sucht wie ein Verrückter halt Zettel und Stift und du merkst halt, dass er dann, als er das irgendwie so findet, gar nicht mehr genau weiß, wozu.
Und er guckt dann hoch und dann kommt sie, sie hat einfach nur draußen gewartet, kommt das Haus zu und dann geht quasi eine neue Szene los, ganz ohne Schnitt, weil er hat schon wieder vergessen, was vorher passiert war.

Flo:
[13:13] Also es ist nicht, wenn er aufwacht, sondern wirklich so permanent, er vergisst permanent, ist immer nur so ein klein scheinwerfer licht von gegenwart also hier sind wir gerade auch an einem meiner lieblings veranstaltungsorte berliner festspiele hier befindet auch berlin an der stadt ist ein toller toller ort so ein bisschen wie die hdk genau also das heißt es gibt dann halt diese mord oder dieser die ich glaube es ist eine mordgeschichte die beim momento dann aufgeklärt wird.
Also das heißt, er nimmt seine Haut als Landkarte für bestimmte Erinnerungen und der Film wird komplett rückwärts erzählt. Das war auch damals so ein Novum.
Also das heißt, das fängt mit dem Ende an und dann kriegt man den Anfang der Geschichte mit, nach und nach.
Und tatsächlich gab es dann so ein Patch, das war derzeit, als dann schon die ersten Filme übers Internet verbreitet wurde, gab es so einen Patch, wo man dann die Geschichte in einer richtigen Reihenfolge gucken konnte.
Und so weniger mysteriös, aber was dann noch mal so gegenläufig war.
Also ich weiß nicht, ob du das auch dann geschaut hast.

Micz:
[14:27] Das kenne ich nicht, aber es ist wichtig nochmal zu sagen, dass dieses Ineinanderfalten, also Nolan gibt es auch so ein Ding überall zu sehen, wo er erklärt, wie die Zeitleiste ist.
Es geht quasi los von links nach rechts und dann macht es in der Hälfte des Films eine Kurve zurück und geht wieder nach links an den Anfang.
Das heißt, es ist so geschnitten, dass es so ineinander fällt und es ist aber so geschnitten, dass du am Anfang des Films, in der Zeitleiste des Films, das reden wir zu viel über Memento, aber in der Zeitleiste des Films am Anfang nur in dem Blickwinkel des Hauptdarstellers hast und dem auch ganz viel Macht gibst.
Du hast das Gefühl, der checkt das alles, der sieht auch cool aus, außer Tattoos und sowas.
Irgendwas ist falsch, aber erst später kommen dann die Sachen auch vom Anfang schon, die dann allerdings nicht mehr sein Blick auf die Dinge sind, sondern... Kommen wir hier raus?

Flo:
[15:17] Ich hoffe, ich glaube, wir kommen hier irgendwo runter.

Micz:
[15:19] Okay, wir sind gerade auf so einem großen Parkplatz neben...

Flo:
[15:25] Ja, da hinten sind wohl ein Theaterraum.

Micz:
[15:27] Ja, genau.

Flo:
[15:27] Also ich wollte jetzt auch, ich habe das wirklich nur so fragmentarisch in Erinnerungen von Memento.
Ich glaube, wie du beschreibst, das ist eine sehr komplexe Zeitebene.

Inception, Zeit, Licht und Film


[15:37] Und diese komplexen Zeiterzählungen haben wir ja auch im Interstellar drin.
Wir Wir haben die vor allen Dingen in den letzten Filmen von Nolan Tennant.
Wo dann so Zeitebenen gegenläufig sind. Wir haben die ganz episch ausgebreiteten Inception, wo die Zeit im Traum langsamer läuft.

Micz:
[15:57] Wobei das relativ linear läuft.

Flo:
[15:59] Das ist linear, aber allein der dramaturgische Kniff, dass dann im Traum die Zeit langsamer läuft. Und es gibt so zwei Grundkonstanten des Kinos, das ist Zeit und Licht.
Ja, also Licht als Illumination, als Projekterlicht, ja.
Und Zeit als das Fortlaufende, wenn du das aufs Zelluloid runterbrichst.
Wir haben das übrigens auch in 70 mm Zelluloid geguckt.
Haben wir extra rausgesucht. Wir mussten die deutsche Originalschauspieler-Fassung ertragen. Ging einigermaßen.

Micz:
[16:32] Ja, das fand ich jetzt gar nicht so.

Flo:
[16:33] Aber am Anfang war es ein bisschen gewinnungsbedürftig, dass man jetzt nicht die Originalschauspieler gehört hat.
Das ist quasi Kinofilm.
Das ist immer wieder diese Meta-Ebene, die mich dann so wirklich völlig in Bann zieht, dass eben die Kausalität des Zellulose, ein Bild folgt dem anderen und gleichzeitig das Licht, was es dann halt illuminiert und die Leinwand erleuchtet.
Und das, jetzt komme ich wieder auf Oppenheimer, diese Erleuchtung, ja, er hat auch Erleuchtungsmomente.
Und der größte Erleuchtungsmoment ist natürlich in Trinity. Trinity ist der Atomkrieg.
Der dann so nach zwei Drittel des Filmes erfolgreich durchgeführt wird.
Trinity zeigt, beweist, dass die Atombombe so funktioniert, wie die das auch geplant haben und vorbereitet haben.
Der Film handelt eben von Oppenheimer, wie er das Manhattan-Projekt leitet und damit die ersten funktionsfähigen Atombomben produziert.
Ich habe jetzt wieder den Bogen zum Film gemacht, aber ich wollte lieber bei Ton im Blei sein.

Micz:
[17:54] Nolan, du bist Nolan, genau. Arbeite dich da mal ab, das ist ja...

Flo:
[17:56] Ja, und ich lese mal seine Filmografie vor, weil seine Filmografie ist so, wo ich dann halt sage, ja, habe ich gesehen, habe ich gesehen, habe ich gesehen.
Und also den einzigen Film, den ich nicht gesehen habe, ist sein Debüt von 1998, Following, habe ich nicht gesehen.

Micz:
[18:16] Habe ich auch nicht gesehen.

Flo:
[18:16] Müssen wir mal gucken. Dann 2000 Memento, dann 2002 Insomnia.

Insomnia, Skandinavien und die Trinity Pacino, Williams, Nolan


[18:23] Insomnia ist ein Film über Schlaflosigkeit. Ich habe tatsächlich das skandinavische Original davor gesehen, das ist aus den 90er. Und den fand ich schon so großartig.
Es gibt ja so einen Nordic Noir. Das ist so das Genre von diesen nordischen Wallander und so weiter, von diesen nordischen Krimi-Helden, Kimi-Thillers.
Nordic Noir. Und, ähm, äh, also wenn man, wenn man jetzt, ich hab das jetzt nur bei Wikipedia so kurz überflogen, aber, äh, wenn man jetzt Nolan irgendwie einordnen will, dann ist er auch eigentlich so eine Außersparte des Noir-Films, also er hat immer irgendwie was Düsteres, Dunkles und Getriebenes, ne?
What do you mean? Hehehe. Und, ähm, 2002 in Somnia, das ist mit Al Pacino und Robin Williams in den Hauptrollen, die auch wieder ein Thriller, also eine Mordaufklärung machen.
Dann beginnt quasi die Batman-Reihe 2005 mit Batman Begins.
Und ich glaube, das ist einvernehmlich.
Es gab so ein Revival von Superheldenfilmen Anfang der 2000er.
Und ich glaube, da hat Nolan einfach neue Maßstäbe gesetzt in der Inszenierung von Superheldenfilmen.

Micz:
[19:39] Aber ich wollte dazu sagen, ich finde Insomnia nicht so gut.
Ich finde das Original auch besser. Und ich habe so von dem Konzept von Massive Acting das Gefühl, dass nur skandinavische, vielleicht auch kanadische Regisseure wirklich was inszenieren können, was mit diesen ewig langen hellen Nächten, wo du gleichzeitig übernächtigt bist, aber trotzdem das Gefühl hast, das ist noch Tag, dass sie damit vielleicht besser umgehen können.
Aber ich glaube, in seiner Karriere war das so ein ganz smarter Handshake, wo er halt wirklich Al Pacino und Robin Williams, also die Superstars, ein bisschen on their way so 21.
Jahrhundert, also die hatten so die richtige Hülse hinter sich, aber die konnte er direkten, gerade eben auch Al Pacino. Ich glaube, Robin Williams ist nochmal ein ganz anderer Star.
Und das hat, glaube ich, allen dreien gut getan, in gewisser Form.

Flo:
[20:33] Ja, interessant. Also du siehst nochmal aus der... Ich finde, Robin Williams ist für mich so wie Tom Hanks, so ein All-American-Guy, von dem ich überhaupt nicht weiß, wie der so als Person war.
Aber kann sein, ja. Kann ich mir vorstellen.
Du hast es auch gerade angesprochen, das wollte ich noch... Ja, das hat auch wieder mit Licht und so der Dramaturgie von...
Der eine Detektiv von Insomnia hat halt diese Schlafstörungen, es nicht dunkel wird.
Sie sind halt zu der Sommer-Sonnenwende dann im Norden, Also im Original sind die dann halt, glaube ich, da irgendwo.

[21:31] Im nördlichen Wendekreis, also es wird nicht dunkel und du siehst die ganze Zeit den Darsteller, wie er versucht, das Rollo runterzuziehen und dann irgendwann fängt er an, so Gaffa-Tape drumherum zu kleben, um das Sonnenlicht draußen zu lassen und ich finde, dass es bei der Rezeption von Christopher Nolan auch gut gelungen, diese Landschaften in Kanada, diese Berglandschaften und dieses ewige Eis dann auch so einzufangen, das fand ich nochmal anders als beim Original, weil der Original war eher so ein Kameraspiel und Nolan hat da mehr so ein Epos draus geformt.

Micz:
[22:13] Ich hab ganz kurz den Wunsch, dass wir bei Nolan so durchgehen, weil sonst müsste die Folge dann heißen.
Flo und Mitch unterhalten sich über die Filme von Nolan, weil gerade Oppenheimer rausgekommen ist.
Oder wir machen zwei Folgen draus, was insgesamt zu lang wird.
Weil Nolan ja auch gerne über die klassische Zeit hinaus...

Flo:
[22:35] Wir gehen jetzt, also das jetzt durch. Also ich glaube, du brauchst jetzt da keine Angst zu haben, dass da irgendwelche Themen wegfahren.

Batman Begins


[22:44] Also dann kommt Batman beginnt, 2005, 2006, Ja, ganz toll.

Prestige, Wolverine und Tesla


Micz:
[22:51] Ich mag den total. Also das ist so ein bisschen so ein geheimer Favourite.
Ich habe so das Gefühl, weißt du, als es früher noch Alben gab, so das eine Lied, das zweite oder dritte Lied auf der B-Seite, wo man so denkt, nee, das ist eigentlich mein Lieblingslied. Ich mag den total.

Flo:
[23:08] Ich mag den auch total. Vor allen Dingen war das auch wieder so ein Film, der, also ich weiß nicht wie, No One in the Night schafft, aber das hat so eine creepy Stimmung hinterlassen.
Am Ende fühlst du dich so körperlich aufgerieben, obwohl es halt nur ein Film ist, aber der schafft irgendwie so Archetypen anzuzapfen, die dich dann halt beunruhigen.
Und gerade bei Prestige, es geht so ein bisschen um diese, also quasi um diese magische, Also um zwei Magier, die gegeneinander konkurrieren.
Und der eine davon ist von Tesla dann inspiriert.
Und es geht um dieses Zeitalter des 19. Jahrhunderts.
Und ganz toll inszeniert, also wirklich ein großartiger Film.

Micz:
[23:58] David Bowie spielt auch mit.

Flo:
[23:59] David Bowie, genau, ja. Und Wolverine spielt mit.
Und Christopher, nee, Christian Bale hat in der zweiten Rolle, ne? Also, ich weiß nicht, der Vorhalter glaube ich nie, aber das war so diese, auch diese, der Schaffensbeginn von Nolan mit Bale zusammen, Batman beginnt, ein Jahr vorher.

The Dark Knight 2008, Inception 2010, The Dark Knight Rises 2012


[24:19] Und dann kommt The Dark Knight. Ich glaube, das ist das Highlight von einem Batman-Film.

Micz:
[24:26] Ja, der posthume Oscar auch noch.

Flo:
[24:28] Ja, also der mit dem Joker.
2008 kam The Dark Knight raus, dann 2010 Inception, 2012 The Dark Knight Rises, der dritte Teil der Trilogie, obwohl ich die jetzt tatsächlich, Also jetzt, wenn man die so bewerten will im Oeuvre von Nolan, sind die Batman-Filme, ich glaube, den dritten wollte er auch gar nicht machen.
Also ich finde, kann ich auch so nachvollziehen.

Interstellar 2014, Dunkirk 2017, Tennet 2020


[24:58] Dann kommt, ich habe mich geirrt, nicht vor sieben Jahren, sondern vor neun Jahren, 2014, Interstellar.
2017 ist Dunkirk und ich glaube, das ist auch der erste...

Micz:
[25:08] Dunkirk habe ich nicht gesehen.

Flo:
[25:09] Der letzte vor Oppenheimer jetzt 2023 ist Tenet von 2020.
Das ist der erste Film, wo der, jetzt habe ich den Namen nicht parat, aber derjenige, der hat ja sonst immer sehr viel mit Hans Zimmer zusammengearbeitet als Kompositionskünstler, Komponist.

Soundtrack: Ludwig Göransson vs. Hans Zimmer


[25:32] Er ist auch ein Skandinavier, der den Soundtrack jetzt auch für Oppenheimer gemacht hat.
Und das trägt sich auch, das finde ich ganz interessant, weil der Sound, wie der hier eingesetzt wurde, wenn man das vergleicht mit Indor Stellar.
Indor Stellar hat ein ganz intensives Theme, was sich die ganze Zeit durch den Film trägt.
Der Komponist, jetzt auch hier in dem Film, hat jetzt kein so ein emotionales, tragendes wie jetzt Hans Zimmer bei Interstellar, sondern das ist immer so ein Staccato, es ist immer so ein Rhythmus.
Das ist fast so wie jetzt das ...
Wie jetzt beim Projektor der Film durchläuft. Dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd. Immer so ein Staccato.
Und zu den Figuren, also es löst sich nicht in eine Harmonie auf.

Micz:
[26:26] Ja, in Filmmusik denk ich dann natürlich, wie du's beschreibst, an die Geigen von Psycho oder an das Klavier von Jaws. Das hier so dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd-dd.

Flo:
[26:37] Genau, aber da hast du den Thrill, während hier ist es, glaube ich, eher so ein Taktgeber.
Wir müssen dann eh über den Einsatz vom Sound reden, weil der ist bei dem Film auch sehr stark.

Sound Effekte und Editing bei Oppenheimer


[26:54] Gerade mit dem Zünden der Testatombombe Trinity, wie der mit Sound gearbeitet wird. Ich will es nicht vorwegnehmen, aber nur eine Anmerkung.
Dann hast du das erste Mal das Gefühl, dass du den Figuren, vor allem Oppenheimer, ganz körperlich ganz nah bist.
Dadurch, dass du nur sein Atmen hörst, nur die Geräusche, die er macht, und alles andere ausgeblendet ist.
Vorher hattest du immer so etwas Unnahbares, aber in dem Moment bist du auf einmal ganz nah bei der Figur.
So ein bisschen wie bei 2001, wenn dann Bowman mit der Raumkapsel rausfliegt und du hörst sein Atmen.
Das ist eine stärkere Verbindung, die man nur über eine Atemspur machen kann.
Und das ist, weil jetzt gerade Stanley Kubrick erwähnt wurde von mir.

Flo vergleicht Nolan und Kubrick


[27:58] Du spielst dir gerade selber die Bälle zu. Danke, dass du mich daran erinnerst.

[28:06] Aber Nolan kann durchaus in seinen...
Also ich würde auch so... Er hat so eine Dimension von Stanley Kubrick und auch ein ähnliches Oeuvre. Er geht durch verschiedene Genres, macht da Meilensteine.
Und das Lustige ist, dass er quasi beauftragt wurde.
Ich glaube, das war 2021. hatte er dann die gemasterte Version von 2001 dann auch präsentiert in irgendeinem Filmfestival.
Also er hat auch eine sehr nahe Verbindung zu Kubrick, Nolan, ne?
Und er ist halt ein Perfektionist, der sehr lange eben auch an seinen Filmen feilt, ne?
Es ist vor allen Dingen einer, der auch eine unglaubliche Freiheit hat.
Es gibt, glaube ich, keinen anderen Filmregisseur in Hollywood, der so ein Autorenfilmer ist wie er.
Also alle seinen Drehbücher, bis auf, glaube ich, Insomnia war das, wo dann jemand anders noch ein Drehbuch geschrieben hat.

Micz:
[29:17] Ja, sein Bruder schreibt auch.

Flo:
[29:18] Genau, er schreibt immer mit seinem Bruder zusammen diese Drehbücher.
Und teilweise jetzt auch eine Vorbereitungszeit von über von mehreren Jahren.

Der All-Stars-Cast von Oppenheimer


[29:29] Genau, also der letzte vor Oppenheimer jetzt hier ist Tenet von 2020, wo er auch, also er hat ja auch immer wieder so ein ähnliches Ensemble an Schauspielern, obwohl ich meine der Film Oppenheimer, was der für ein Star-Aufgebot hat, das ist ja auch Wahnsinn, mit welchen Leuten er da zusammengearbeitet hat.

Micz:
[29:58] Ja, es war echt irre, weil bei ganz vielen Leuten kennst du das Gesicht und den Namen nicht.
Oder ich kenn das Gesicht und den Namen dazu, aber nicht. Aber hab so das Gefühl, was war das noch mal für ein Film? Und natürlich war halt irgendwie Emily Blunt als die Frau von Oppenheimer.
Gary Oldman als amerikanischer Präsident. Hat er seinen amerikanischen Akzent wahrscheinlich wieder ausgepackt.
Aber total irre, auch wieder so eine Rolle, wo ich ihn erst im Close-Up erkannt habe.

Flo:
[30:25] Ich hab auch die ganze Zeit überlegt, wer ist das? Die kennen den, ich kenn den. Der ist so ekelig.
Gary Oldman mit seinen extrem schmalen Lippen und diesem sarkastischen Ausdruck.

Micz:
[30:37] Und dann ein Schauspieler, wo ich immer dachte, oh, wann kommt der mal wieder?
Wann kann ich mal wieder was von dem sehen? Der hat jetzt eine Nebenrolle hier bei Casey Affleck.
Also als dieser fiese Militärpolizist oder General, der halt da irgendwie eher schon brutale Androhungen gemacht hat, wie man aus den Kommunisten in Los Alamos irgendwie Sachen rauspressen könnte.
Und natürlich Matt Damon. Also Matt Damon, ich bin absoluter Matt-Damon-Fan.
Also da können wir bald mal irgendwie eine Tom-Cruise-Folge können wir gerne bei Matt Damon machen. Ich finde das wirklich großartig.

Flo:
[31:15] Also Matt Damon, bin ich da voll bei dir. Indie wie Tom Cruise, das ist für mich wirklich so ein Schauspieler, der mich auch so lange begleitet und den ich auch so großartig finde.
So Madame Brad Pitt, das sind so die Global Player. Ja, okay.

Oppenheimer, wir fangen noch mal beim Ende an


[31:35] Wollen wir jetzt zu Oppenheimer gehen, zu dem Film? Wollen wir da jetzt einsteigen?

Micz:
[31:40] Gerne. Also was haben wir gemacht? Wir haben uns emotional geöffnet, was wir so erlebt haben, so direkt, wenn man rauskommt.
Das ist quasi Stimmung des Endes und das ist ja nicht unwesentlich, weil, wie wir wissen, spätestens seit den unterschiedlichen Schnittversionen von Blade Runner, dass das Ende total wichtig ist für die Stimmung, wie man rauskommt und auch auf den Film zurückblickt.
Und das war bei uns irgendwie so was Zerstörerisches, was Wütendes, was Hilfloses, was Ausgeliefertes, aber auch irgendwie was so perplexes, ist das wirklich wahr.
Dann haben wir über Nolan gesprochen und wenn wir jetzt einsteigen, wo würdest du anfangen?

Zeitebenen im Film und Oppenheimers Leben


Flo:
[32:26] Ich würde zumindest rein von der Struktur her den Film noch mal so kurz beschreiben.
Das heißt, wir hatten ja auch schon angerissen, dass das sehr stark mit den verschiedenen Zeiten arbeitet.
Der Film ist von der Dramaturgie, springt ja zwischen ganz vielen verschiedenen Zeitenden hin und her.
Und in jeder Ebene muss man eine gewisse Orientierung als Zuschauer suchen, um zu verstehen, in welcher Zeit der jetzt spielt.
Und der Indikator dafür ist immer, wie grausen die Haare von Oppenheimer, wie eingefallen ist sein Gesicht, trägt der einen Hut?

[33:10] Also man versucht dann immer, das zu entschlüsseln und ein bisschen zu reverse-engineeren.
Der ist jetzt in der Zeit. Es gibt im Prinzip, der Film spielt grob, oder vielleicht müssen wir noch mal so die Geschichte von Oppenheimer erzählen,

Bio: Manhattan Project, Los Alamos, Trinity


[33:29] bevor man dann halt noch mal so diese Dramaturgie beleuchtet.
Also ganz kurz, Oppenheimer hat mit dem Manhattan-Projekt dann den Amerikanern unter der Leitung mit ganz vielen anderen Physikerinnen und Physikern die Atombombe gebaut, die letztendlich dann auch da fabriziert waren, vor Ort in der Wüste von New Mexico und Fat Boy und Little Man dann rausgekarrt wurden und ein paar Tage später nach dem ersten Eignungstest mit Trinity dann über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden.
Aber in dem Moment, wenn die Atombomben quasi das Lager verlassen oder die Los Alamos, oder wie heißt die Stadt einmal?

Micz:
[34:14] Los Alamos, ja das ist dieses Hochplateau in New Mexico.

Flo:
[34:17] Das Hochplateau, wo die dieses Manhattan-Projekt installiert haben.
In dem Moment, wenn die das verlassen haben, ist das auch das Kind aus der Hand.
Es ist quasi in die Welt hinaus.

Bio: Später Untersuchungsausschuss und Kommunismus-Verdacht


[34:30] Und gleichzeitig erzählt der Film den Prozess, feste aber mehr oder weniger, nicht offiziell in dieser Untersuchung, also in einem Untersuchungsausschuss der Oppenheimer mit seiner kommunistischen Vergangenheit in der McCarthy-Ära konfrontiert und so ein bisschen ihn diskreditieren will, dass er die Sowjets spioniert hat.
Und das ist tatsächlich so gewesen, deswegen gibt es diese Biografie,

American Prometheus Buch, Materie ist Energie und Prometheus-Sage


[35:08] auf deren Grundlage dieser Film gedreht wurde.
Die trägt den Titel Prometheus.

Micz:
[35:17] American Prometheus, also der, der das Feuer der Götter quasi auf die Erde gebracht hat, aber der amerikanische, der das Feuer der Götter auf die Erde gebracht hat.
Das Feuer der Götter ist eben die unfassbar große Energie, die bei Kernspaltung entsteht.
Was wiederum auch Albert Einstein schon mathematisch mit beschrieben hat, E gleich mc², jeder kennt das, die Umwandlung von Materienenergie, der dann eben auch eine kleine Rolle spielt, natürlich auch in der Biografie von Oppenheimer mitgebracht.

Flo:
[35:56] Und übertragen gesprochen, das Feuer der Erde, du hast es schon gesagt, Prometheus.
Und als Strafe, Prometheus wurde von Zeus bestraft, dass er den Menschen das Feuer gebracht hat, indem er an einem Felsen gekettet, jede Nacht wurde ihm die Leber weggefressen von einem Geier.
Und er musste die Schmerzen erleiden und am nächsten Tag ist die Leber nachgewachsen und das hat sich immer wiederholt.

[36:31] Also dieses Leber wegfressen, das ist quasi übertragen gesprochen dieser Prozess, der gegen Oppenheimer dann geführt wurde.

Bio: McCarthy, Überwachung und Nähe zur Kommunistischen Partei


[36:43] Die Anklage, die dann mehr oder weniger inoffiziell in dieser McCarthy-Ära, und ich glaube, das Das ist immer so dieses Geschichtliche, das, was man sich, glaube ich, nur in der Zeit dann so erleben konnte, aber dieser Hass gegenüber Kommunisten, dieses Machtbollwerk, was sich dann gegen die Sowjets errichtet hat und auch diese Hexenjagd, die dann auch in Amerika überall stattgefunden hat, dass dann jeder spioniert wurde, dieser ganze Aufbau von dem Überwachungsstaat, also von den Geheimdiensten, um dann mögliche Spione und so weiter ausfindig zu machen.
Das ist da sehr sinnfällig erzählt und auch dadurch, dass der Film immer in Zeitebenen springt, gibt es schon sehr früh diese Vermutung oder für den Zuschauer die Vermutung, dass Auf der einen Seite Oppenheiner in seiner Biografie auch sehr aufgeschlossenes Denken, er war selber nie in der kommunistischen Partei, hat aber da durchaus so eine intellektuelle Nähe und auch Liebschaften, die dann halt aus dieser kommunistischen Partei gekommen sind und.

[37:58] Aber auch die Überwachung dadurch, dadurch dass der Prozess auch gleich am Anfang auch so mit inszeniert wurde, bekommt man gleich die Information, okay, hier wird quasi der Vater der Atombombe als einen Verräter mit aufgestellt.

Micz:
[38:22] Aber das finde ich, am Anfang hat man so das Gefühl, das ist eigentlich ein

Der Film beginnt am Ende


[38:26] sehr konventioneller Erzählbogen.
So ein bisschen wie bei The Usual Suspects. Man denkt halt, man ist irgendwie schon, nachdem alles passiert ist, setzt man einen mit diesem, der Verhör ist falsch, also es geht dann im Endeffekt nicht darum, dass er verurteilt wird oder nicht, sondern es geht darum, ob er eine Sicherheitsfreigabe bekommt, dass er quasi an solchen Regierungsforschungsprojekten überhaupt mitarbeiten darf und die kriegt er nicht mehr.
Das wird quasi in einer kleinen Kammer verhandelt, also es ist kein Verfahren und trotzdem wird er quasi weggesperrt von dem ganzen Cutting-Edge-Science-Leben.

[39:05] Aber es kommt dann nicht so, es ist nicht so, dass die Erzählung dann zurückspringt und dann wie bei The Usual Suspects erklärt, eins nach dem anderen und dann kommt quasi der Plot-Twist zum Schluss und dann ist fertig, sondern wir haben

Drei Erzählstränge, einer in Schwarz-Weiß. Warum?


[39:15] irgendwie drei Erzählstränge.
Weil ich weiß auch nicht, das ist eine Frage, die ich an dich habe, dieser Schwarz-Weiß-Teil, der da so immer wieder mit reinkommt mit Iron Man, also Robert Downey Jr.
Spielt im Prinzip den Level-Boss, der Oppenheimer die Möglichkeit verbaut, auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin eben bei diesen Rendierungsprojekten mitzuwirken und das ist ein Schwarz-Weiß.
Allerdings springt es einmal auch in Farbe, als Oppenheimers Frau mit reinkommt.
Aber ansonsten ist es halt so, wir beginnen mit der McCarthy-Zeit, diesem Verhör oder dieser Besprechung in diesem kleinen Zimmer, wo Oppenheimer indirekt angeklagt wird, ohne dass es ein Gericht ist.

Flo:
[40:08] Am ehesten so ein Untersuchungsausschuss.

Micz:
[40:10] Genau, irgendwie sowas. Es ist geheim und später erfahren wir auch von dem Strauss, der halt dieser Levelboss ist, dass der das ganz bewusst so haben wollte, damit Oppenheimer, der ja charismatisch ist, der auch diese ganzen Forscher für sich dann gewinnen konnte und die sind dann alle mitten nach New Mexico gezogen.
Also ein sehr charismatischer Mensch, der wollte ihm explizit keine Bühne geben.
Er wollte nicht, dass er als Märtyrer irgendwie so dasteht. Aber auf jeden Fall fangen wir nach dem Zweiten Weltkrieg ein, nach der Atombombe.
Das ist alles schon in der Welt. Wir springen aber sofort zurück in seine Studienjahre,

Sprung in die Studienzeit, erste Visionen und Berufung


[40:45] wo er dann aus Amerika nach Bonn, Göttingen, Cambridge oder ich weiß gar nicht mehr. Doch, genau.

Flo:
[40:54] Also Leiden noch, also Holland, wo er gelehrt hat.

Micz:
[40:57] Gelehrt hat. Und er springt dann quasi da durch die Lehre, der frühen Lehre der Quantenphysik, also die Generation nach Einstein und bringt das dann wieder zurück nach Amerika.
Und da wird er dann eben in Berkeley auch diese ganz zentrale Person, die am Anfang wartet auf den ersten Student oder PhD oder wer auch immer, der halt so reinkommt, weil das halt kein Thema da war.
Und zum Schluss aber dann durch seine sehr charismatische Ausstrahlung ganz viel um sich sammelt.
Das heißt, wir fangen an mit McCarthy, springen zurück, arbeiten uns dann immer so hin und her, springt da durch und kommen dann irgendwann eben an den Punkt,

Oppenheimers Geniestreich: Quantenphysik und New Mexico zusammenbringen


[41:36] wo Los Alamos, er sagt ganz am Anfang irgendwie, also seine Quantenphysik und New Mexico, Los Alamos, das sind so die beiden Sachen, die in wirklichem Leben etwas bedeuten und er weiß nicht, wie er die beiden zusammenbringen könnte.
Und genau das schafft Also das finde ich auch so spannend, weil da in der Biografie so diese Atomspaltung schon mit angelegt ist. Wie kriegt man die theoretische Physik der Quantenmechanik in die Hochebenen von New Mexico?
Und das kann natürlich nur jemand, der genau beides auch beherrscht.

Farbprofile der Zeitebenen


[42:15] Und dann kommt eben diese andere Person noch rein, dieser Strauss, der ist auch, glaube in schwarz-weiß irgendwie, weil diese Geschichte ist der dritte Zeitstrang und damit man den wirklich gut unterscheiden kann, weil die anderen sind auch schon farblich so ein bisschen getrennt, also die frühe Jugend ist sehr satt, das hat fast schon so einen Ölfarben-Charakter, finde ich.
Die Zeit in Los Alamos ist halt eben Wüste, das ist dann so ein bisschen alles staubig, da flirrt auch immer was durch die Luft, was auch so ein bisschen diese.

Flo:
[42:53] Tom-Teilungs-Ästhetik so schön. Ja, genau. Also so ein Fluffy, fast wie so ein Schnee in der Hose.

Micz:
[42:59] Ja, man weiß nicht immer, ob das jetzt Schnee ist oder Staub.

Flo:
[43:01] Und man kann sich sicher sein, dass es halt nicht CGI ist, weil, das wollte ich auch nochmal so Lohnen sagen, der hat ganz wenig mit CGI gearbeitet.
Und bei ihm ist auch so die, also die Art Filme zu drehen, ist dann tatsächlich so Realeffekte zu suchen.
Interstellar ja so ganz ausführlich gemacht, um dieses schwarze Loch darzustellen.
Also das ist glaube ich auch noch mal so eine Errungenschaft von Nolan, so analog wie möglich zu arbeiten.

Micz:
[43:34] Und die Bildästhetik, so die Farbqualität von den McCarthy ist so am ehesten natürlich, ein Anfangszeichen.
Natürlich, wenn man das jetzt nebeneinander stellen würde, würde man sofort sehen, dass Farb bearbeitet ist, Aber das fühlt sich irgendwie so gegenwärtig an.
Und dann gibt es ganz später noch so einen Sprung in die Zukunft, wo er dann ganz kurz noch mal Richtung Lebensende dann eben anerkannt wird von der Regierung, von den ganzen anderen, die ihn teilweise auch in die Pfanne gehauen haben und sowas.
Das ist dann auch, das ist dann farblich eher so in diesem Gegenwartstil.

Warum Lewis Strauss in Schwarz-Weiß?


[44:08] Aber das eine ist halt so schwarzweiß reingebuttert und ich checke es nicht so richtig. Aber das ist eine Frage, die sehr kopfig ist.

Flo:
[44:13] Nee, fand ich auch ähnlich nachvollziehbar. Also man hat am Anfang das Gefühl, okay, jetzt gibt es diese Verhandlungen, es gibt die Chairmans, es gibt Congressmen, bla bla bla.
Und dann hat man das Gefühl, man ist dann halt in so einer Art von, ja, das Schwarz-Weiß, dann kriegt das so einen dokumentarischen Wert aus der Zeit.
Und gleichzeitig wird es aber auch wieder aufgelöst, weil die gleichen Szenen oder die gleichen Spielorte dann tatsächlich teilweise auch in Farbe gezeigt werden.
Ich glaube, es ist einfach nur so ein stilistisches Mittel, Um dann nochmal so einen Bruch reinzubringen, ne?

Micz:
[44:48] Ja, ich weiß nicht, also vielleicht ist es dazu da, dass Leute wie wir darüber rätseln.

Flo:
[44:55] Ja, ja, also vielleicht, ja, aber gleichzeitig ist es ja auch so ein stilistisches Mittel, was dann wieder mit Licht arbeitet und dann ist man wieder auf dieser Metaebene von Film.
Also gleichzeitig hat es auch die Ästhetik von Röntgenbildern oder sowas.
Das heißt, es wird schon wieder so, es ist sehr kontrastreich dann auch diese Schwarz-Weiß, wie es eingesetzt ist.
Keine Ahnung. Also es ist glaube ich die Freiheit, da noch mal so andere Akzente zu setzen.
Also man hat das Gefühl schon, in dem Moment, wenn Schwarz-Weiß wird, dass es eine objektivere Erzählweise hat, weil man das Gefühl hat, okay, jetzt ist es eine Dokumentaraufnahme.

Micz:
[45:50] Ja, ich weiß es nicht. Also ich kann es nicht wirklich fassen, weil irgendwann am Anfang,

Drei Geschwindigkeiten der Erzählungen, die sich treffen


[45:55] als das das erste Mal reinkam mit dem Schwarz-Weiß, dann war das wirklich eine Parallelwelt, aber es hat sich ja dann, also es war im Prinzip so, wenn man jetzt diese Zeitleisten nebeneinander legt, Wir haben eigentlich drei Geschwindigkeiten in der Erzählung, die sind alle parallel.
Aber das erste geht eben aus den Studierendenjahren bis hinein zum Bombenbau.
Das zweite geht durch diese McCarthy-Protokolle durch. Und das dritte ist eben dieses Conference-Hearing oder sowas von diesem Strauss, der halt, was halt ein Schwarz-Weiß ist. Und die kommen alle irgendwie hinten dann so zusammen.
Aber die fangen in unterschiedlichen Zeiten an. und, Ich hab's nicht wirklich verstanden, aber jetzt müsste ich's mir noch mal aufzeichnen.
Ist jetzt vielleicht auch nicht der Raum beim laufend Reden direkt nach dem Film gucken, das irgendwie zu entblättern.

Bio: frühe Jahre, Cambridge, vergifteter Apfel


Flo:
[46:51] Ja, kein Problem. Also, du hast mit diesen einzelnen Handlungssträngen, also wie du schon beschrieben hast, wir haben die Geschichten von dem frühen Oppenheimer, wie er dann diese quasi sich als Person dann auch findet.
Ich muss gestehen, ich habe das Hörbuch angefangen von der Biografie, auf Grundlage dessen dann dieser Film gedreht wurde und bin auch gerade so in den frühen Jahren, weil die auch sehr spannend sind bei Oppenheimer, er ist tatsächlich, also es kam in dem Film auch zum Ausdruck, dass er selber in einer schwierigen psychischen Situation war, als er dann nach Cambridge gekommen ist.
Und diesen Apfel hat er auch vergiftet. Es gibt dann so eine Szene, wo er dann aus Frustration heraus dann so den Apfel seines Mentors mit einem Gift ...
Dann ... ähm, behandelt. Und dann rausgeht. Das ist eine wahre Geschichte.

Micz:
[47:55] Das hat er dann irgendwann später erzählt, weil er war ja im Film zumindest ganz allein in dem Hörsaal.

Flo:
[48:00] Alle waren weg. Ich weiß nicht, wie dieses Buch recherchiert ist, keine Ahnung, also ob das jetzt quasi auch so ein...
Es gab, glaube ich, tatsächlich eine offizielle Anklage. Er ist dann tatsächlich zur Univerwaltung hingegangen, hat gesagt, ich habe diesen Apfel vergiftet und hat sich dann selber angeklagt.
Das kam in den Filmen jetzt nicht so raus.
Aber es muss irgendwo belegt sein.
Also das heißt, er ist, also es ist glaube ich so, und ich fand das jetzt beim Filmen, ist das nicht so rausgekommen, er ist eine unglaublich, also das fand ich, das kam schon, also das war in einem Dialog mit Matt Dame, wo er sagt, ja, wir reden jetzt gar nicht mehr über Brillanz, weil in dem Niveau, in dem sie sich da bewegen, da ist Brillanz schon Voraussetzung, ja?

Micz:
[48:51] Da fragt Oppenheimer diesen General, was haben die anderen denn so über mich erzählt. Und das sind dann eher so Eitelkeiten, die er berichtet.
Und dann fragt Oppenheimer, keiner sagt, ich war brillant.
Und dann kommt dieser Satz von, ja, Brillanz ist quasi Default Level, das ist der Limbo-Stick, da muss man irgendwie unten durch, vorher kann man überhaupt nicht mittanzen. und es geht dann quasi wirklich so um Persönlichkeit.

Flo:
[49:14] Und auf welchem hohen Niveau auch tatsächlich Oppenheimer, also es war ja wirklich so ein Genie, ein Wunderkind, auf welchem hohen Niveau der sich bewegt hat, hat tatsächlich innerhalb von sechs Wochen dann Holländisch gelernt als Sprache und konnte dann seine Vorlesungen auf Holländisch vortragen.
War unglaublich sprachbegabt, kam aus einem sehr freigeistigen Elternhaus, Er hatte unglaublich viel Kulturelle und auch in der Literatur sehr viel gelesen.
Dostoevsky, Tolstoi waren dann so seine Ferienromane, wo er dann auch so seine Sinnkrisen mit bewältigt hat.
Er war ein rundum gebildeter Mann, der dann auch erst später zur Physik gekommen ist. Vorher hat er Chemie studiert, hat auch Philosophie, Literatur und so weiter studiert.
Er war, glaube ich, auch ein sehr schwieriger Charakter, hat dann aber in einem Griechenland-Urlaub hat er sich dann, glaube ich, selber gefunden und konnte auch mit den anderen so interagieren.
Also der war ja Anfang 20, da ist man ja eh in so einer labilen Phase in der Adoleszenz, dieser Persönlichkeitsentwicklung.

Charisma und Begeisterung bei Oppenheimer


[50:44] Und das war dann jetzt so ein bisschen, der Film ist ja ein bisschen später eingestiegen, ich glaube, das, was er dann schon so vermitteln konnte, ist diese Begeisterung.
Diese Begeisterung, dann wirklich auch die Studenten und Studentinnen mitzunehmen und auch da eine unglaubliche Vorbildfunktion einzu- Also er hat dann auch ganz viele so eben begeistern können.
Er hat viele Studenten angeregt, dann halt ihre eigenen Arbeiten zu machen.
Hat die dann halt auch mit publiziert und hat aber auch deren immer so, das ist ja auch mal so ein Ding in der Wissenschaft, dass du dann irgendwo deinen Namen auf dem Paper drucken kannst, hat denen aber auch immer die Credits gegeben.
Also er war ein unglaublicher Förderer, ein Begeisterer und ich glaube aufgrund dessen, aufgrund seiner Fähigkeit und andere so auch so mitzureißen, allein deswegen konnte er überhaupt so ein Manhattan-Projekt aufbauen.
Das wurde sehr knapp erzählt in dem Film, finde ich.
Aber vielleicht liegt es auch nur daran, weil ich die ganze Zeit das Hörbuch höre und da ist es sehr ausgebreitet.

Micz:
[51:47] Ja, von dem bisschen, was ich mir halt vorher herangeholt habe,

Amerikas Paradox der Zeit: Kommunismus als Verbündete und Feinde


[51:51] finde ich dann immer wichtig, in diese Zeit jetzt so mit einzustricken, dieses abstruse Paradox, das halt irgendwie auch so Amerikas Skizzomoment Mitte des 20.
Jahrhunderts ist. Man war halt im Kampf gegen Hitler, wo die Amerikaner anfangs ja nicht wirklich mit drin waren, aber dann irgendwie, das wird im Film auch so ein bisschen inszeniert, dann spätestens, als klar würde, dass die Deutschen den Atomkern splitten konnten, auf einmal dann dachten, oh scheiße, da müssen wir echt, also das war ja das ganze, der ganze Kick-off für den, für diese zwei Milliarden, die es gekostet hat damals, um die erste Atombombe zu entwickeln.

[52:36] Und da waren die dann eben im Krieg mit drin und dann waren die natürlich auf dem Papier verbündet mit Russland.
Und das war diese Split-Personal-Situation, weil die kommunistische Partei war auch schon in Zeiten der großen Depression in Amerika einfach sehr stark, weil es fühlte sich ja vielleicht auch erstmal auf dem Papier ganz gut an, wenn man sagt, hey, für alle ist irgendwie gesorgt, jeder hat irgendwie einen Job, wenn das irgendwie klappen könnte, das wäre doch gut, weil jetzt gerade nach diesem großen Crash läuft hier gar nichts mehr wirtschaftlich und die Leute können ihre Essendmiete nicht bezahlen und Das war wohl auch das Oppenheimer selbst, dann Studierende hatte bei ihm die, die dann Bei allem hatte ich das mal gelesen, dass der halt irgendwie krank ist.

[53:21] Weil er es sich sonst nicht leisten konnte. Das hat ihn halt schon bewegt so und die kommunistische Partei war dem sehr nah. Er war nie offizielles Mitglied in der kommunistischen Partei.
Aber als dann irgendwie die Forschung der Atombomben losging, war das für ihn auch so eine Sache, die wir jetzt im Film mehrfach, wo er so zitiert wurde quasi, wo gesagt wurde, ja aber die Russen sind auf unserer Seite.
Sollten wir nicht mit denen vielleicht die Dinge irgendwie teilen.
Das war irgendwie sein Wunsch auch, dass diese eine Bombe ist halt so so schlimm, dass sie nicht nur den Krieg beenden wird, sondern alle Kriege beenden wird.
Das war so seine Hoffnung in gewisser Weise, dass es dann zum Wettrüsten kommt, das wollte er irgendwie alles verhindern und springt so rein.
Und da ist halt in diesem Moment gegen Hitler, sind halt die Russen und Amerikaner auf der gleichen Seite, dann kapituliert Deutschland und dann geht es halt gegen Japan und dann beginnt eigentlich schon dieser kalte Krieg.
Und dann beginnt es dann irgendwie, da gibt es ja auch eine Rückblende, bzw.
Ein Sprung nach vorne, dass die Russen auch den ersten Atombombentest gemacht haben.
Aber dann war der Kalte Krieg, da waren dann eben die Kommunisten, die 20 Jahre vorher, vor dem Zweiten Weltkrieg, oder 15 Jahre vorher, oder wie Emily Blunt als Frau von Obmann sagt, okay, ich bin vor 18 Jahren aus der kommunistischen Partei ausgetreten, weil ich einfach kapiert habe, dass das nicht das gleiche ist, was ich mir gewünscht habe für alle und was dort in Russland irgendwie umgesetzt wurde.

[54:51] Da liegt nicht viel Zeit dazwischen und deshalb wurden alle, die halt früher sowas wie Gewerkschaftskommunisten und sowas betrieben haben unter Merkasi, sehr schnell wurden die angeschwärzt.
Ist ja auch so ein riesen Hollywood-Thema, also konnten nicht mehr schreiben, drehen, filmen, schauspielern und so weiter.

Oppenheimer im Film blickt hinter die Welt


[55:14] Und diese Skizzosache der amerikanischen Identität im Kampf gegen Hitler im zweiten Weltkrieg und dann davor und danach, die hat irgendwie Oppenheimer auch stellvertretend so komplett durchlebt.
Also da hat er einerseits sich irgendwie immer rausgehalten, er war irgendwie dieser Mensch, das sagte dann noch irgendjemand sagt, du bist jemand, der sich um die Dinge hinter der Welt kümmert oder sowas.
Und das fordert seinen Preis, als er sein Kind, weil die Ehe sehr leidet, und im ersten Kind, dann bringt er das zu einem Freund, sagt, könnt ihr den mal nehmen, wir schaffen das nicht mehr.
Und dann sagt halt der Freund für ihn, sagt, ja, also du beschäftigst dich mit Dingen jenseits unserer Welt.
Und das fordert seinen Preis, natürlich helfen wir. Er hat das dann eben genau Mitte des 20. Jahrhunderts an seiner eigenen Bürgerfabrik veröffentlicht.

Oppenheimer bringt die Quantenphysik nach Amerika


Flo:
[56:08] Also, nochmal, ich habe es ja gerade so ein bisschen umrissen, aber er war auch nicht nur kulturell unglaublich bewandert und sprachlich, sondern auch in der Physik war er eine ganz große Ikone, er konnte gut lernen und so weiter.
Es gab vorher in Amerika nicht ein Institut für Quantenphysik, Quantenmechanik, das hat er mit aufgebaut.
Es war tatsächlich so, dass er sich diese Informationen überall dann in Europa geholt hat, mit Niels Bohr, mit Heisenberg und mit den ganzen Vertretern der Quantenmechanik da auch korrespondiert hat und dann mit diesem Wissen dann in Berkeley dann das Institut aufgebaut hat.
Und da gab es eine Szene, wo wurde dann auch mal gefragt, warum hast du keinen Nobelpreis bekommen?
Und das ist tatsächlich auch so eine Frage an Oppenheimer. Der hat sehr viel initiiert, sehr viel aufgerissen, aber auch gerade, also es war auch dann am Anfang über Neutronensternen und rote Riesen, Also den Sternensterben hat er viel geforscht und mitgearbeitet, aber teilweise Pauli und so weiter, die haben dann Nobelpreise bekommen.
Er nicht, weil er dann halt nicht so tief eingestiegen ist.

Oppenheimer publiziert als erster über Schwarze Löcher


Micz:
[57:36] Aber war das nicht so, dass er das erste Paper zum schwarzen Loch theoretisch vorgelegt hat?
Es wurde auch publiziert und das war im Film zumindest so dargestellt.
Und dann kamen die halt durch die Tür und Hitler invades Poland.
Also dann war halt der Beginn des Zweiten Weltkriegs, waren die Big News und das Ding ist so ein bisschen unter den Tisch gefallen.
Und keine Ahnung, ob er dann irgendwie später für das Schwarze Loch hätte was kriegen können, wäre er nicht so von der Regierung in der McCarthy-Era halt abgesägt worden. Das wird so ein bisschen vorgestellt.

Flo:
[58:12] Ja, aber vielleicht ist es auch so ein bisschen dieser Aspekt seiner Persönlichkeit, dass der so andere dann immer initiieren konnte, was zu machen und auch nur deswegen er diese leitende Funktion in dem Manhattan-Projekt dann ausfüllen konnte, also weil er sich selber so ein bisschen zurückgenommen hat.

Micz:
[58:33] Das läuft jetzt unter der Fußnote, wir werden es nie wissen.

Flo:
[58:37] Wir werden es nicht wissen, aber es passt zu diesem charakterlichen Aufbau jetzt der Person in dem Film.

Militär und Wissenschaft zusammen und bleiben getrennt


Micz:
[58:44] Also was für dich oder dein Argument spricht, war diese eine Szene, wo ich dachte, da merkt man so ein bisschen die die Entkopplung zwischen Wissenschaft und Militär, wo Matt Damon...
Cillian Murphy gegenüber sitzt und sagt, wenn das hier schief geht, dann sind wir beide unsere Jobs los.
Und in dem Moment hat sich für mich innerlich wirklich schon ein bisschen das aufgemacht. Aber ich dachte, ja stimmt, für den General ist wahrscheinlich ist der durch, weil in diesem sehr hierarchischen und strukturierten geht es dann einfach für ihn nicht weiter.
Aber für den Wissenschaftler ist es ja nochmal eine völlig andere Welt.
Also es ist ja wirklich jenseits von so einer rein politischen Denke und hierarchischen Denke.
Und da spricht es ein bisschen für dich, dass halt die Art und Weise, wie Oppenheimer in diesem Thema drin war, in dieser Community drin war, wie er die Leute motivieren konnte, auch da mitzumachen, in the middle of nowhere zu ziehen und für Jahre da eine Stadt zu bauen.
Das hat er alles irgendwie hingekriegt und das spricht schon dafür für jemand, der sogar fast weltfremdcharismatisch die Leute mitreißen kann.

Flo:
[59:53] Ja, du hast es so ein bisschen in diesem, als er mit den Studenten arbeitet und die Vorlesungen gibt, wie er sich so seinen Stapel aufbaut.
Okay, also ich glaube, wir haben hier so ganz grob die Handlung umrissen.
Es gibt dann, wie er rekrutiert wird durch das Projekt, wie er dieses Manhattan-Projekt aufbaut, wie es dann zum Erfolg geführt wird durch diese Explosion der Testbombe.
Man sieht den Abwurf von den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki nicht.
Die passieren völlig im Off. Und dann das letzte Drittel des Filmes ist im Prinzip dieser Schauprozess, der geführt wird, mit dem Twist eben am Ende.
Und dass er dann zwar hergestellt ist in seiner moralischen Instanz in Amerika, aber hat dann nicht mehr diese Sicherheitsstufe, wo er dann halt auch Einfluss nehmen kann auf die Politik.
Und der Film ist eben dieser Grat zwischen ...

[1:01:01] Wissenschaft zwischen Erkenntnis, zwischen moralischer Verantwortung und Politik.
Und das lotet der Film, glaube ich, also für mich auf eine sehr interessante Art und Weise aus.

Viel Dialog und nur Gesichter


[1:01:18] Gleichzeitig empfinde ich den als sehr dialoglastig. Der Film ist unglaublich viel Dialog getragen.
Und, das muss ich gestehen, das habe ich auch in so einer Filmkritik vorher gehört, habe ich mir angeguckt, nämlich man sieht nur Gesichter.
Also eigentlich hat es so diese Porträtaufnahmen.
Es ist die ganze Zeit nur ein Dialog mit Gesichtern.
Es fängt die Gesichter ein, es ist wenig Landschaftsaufnahmen, es ist wenig der Tal. Man hat immer so eine Dialogsituation mit Gesichtern.

Micz:
[1:01:58] Das stimmt, interessanterweise hatte ich nämlich den einen Moment, wo ich mal gedacht habe, das tut mir gut.
Das ist, als man so ein bisschen Distanz schaut, wie es vom Helikopter so ganz kurz nur diesen Turm gesehen hat, morgens um 5 Uhr, bevor die Bombe getestet wurde.

Natur für die ältere Generation, Gödel und Einstein


[1:02:13] Das war so der einzige Moment, wo man mal so ein bisschen Horizont hatte, ein bisschen weiter. Also wenn die ausreiten, hat man es ab und zu.
Es gibt schon, und das finde ich halt auch interessant, es ist jetzt aber schwierig, das irgendwie so anzufädeln, ich sage es jetzt ganz kurz.
Es gibt ja ziemlich zum Schluss auch diesen Moment, wo Einstein durch den Wald läuft mit Gödel.
Und Gödel und Einstein, die sind einfach in dem Moment so eine andere Generation.
Die laufen nicht in den Wald, um sich zu beruhigen. Die haben irgendwie die Untiefen der Materie durchlebt und sind irgendwie sehr labil und feinsinnige menschen irgendwo habe ich auch mal gelesen einstellen.
Ganz zarte Füße hat und deshalb später im Alter ist er dick im Bauch, hat auch Fußschmerzen.
Also diese zarten Seelen, die dann durch die Bäume laufen und Einstein sagt, ja Gödel liebt es durch den Wald zu gehen. Und Gödel sagt, ja, die Bäume, sie beruhigen mich, inspirieren mich.
Also das ist dann irgendwie schon abgehängt und Oppenheimer ist als nächste Generation, der wird dann da irgendwie so abgehängt.
Aber dann ist die Flucht in Natur, ist halt dann naheliegend, wenn man nicht mehr mit den Menschen in diesem politischen Ringkampf steht.

Flo:
[1:03:25] Ja, klar. Ich meine, du hast als Wissenschaftler dann natürlich auch so einen gewissen Zenit.

Zenith der Wissenschaflter:innen vor dem 30. LJ


[1:03:32] Du hast so eine Leistungsfähigkeit, gerade als Mathematiker.
Du bist dann halt noch vor 30, glaube ich, in den besten Jahren, wie so ein Spitzensportler.
Die größten Entdeckungen von Mathematikerinnen und Mathematikern kommen dann halt in den 30ern.
Und dann später kannst du halt diese Leistung ja nicht mehr bringen.
Und dann bist du eigentlich nur noch Verwaltung deines Erbes.
Und das ist halt ja auch das, was einstand. Und dann Oppenheimer, die verwalten ja dann nur noch ihr Ding, was sie auf die Menschheit rausgelassen haben. Und da ist ja auch so ein ganz ethischer Grundkonflikt in diesem Film beschrieben.
Also was sind das für Personen, die eben so was in der Denkkapazität vollbringen können? Also Wunderkinder, die dann diese Aufgabe leisten und wen übergeben die ihr Erbe?
Und was also man bei Dürnmatt, sind das die Physiker, die Menschheit,

Moral und 'Die Physiker' bei Friedrich Dürrenmatt


[1:04:20] die Menschheit, denen wird das quasi angeboten.

[1:04:25] Gleichzeitig ist dieser Film eigentlich eher ein Dialog zwischen der Entität von Oppenheimer als Bürger zum Staat.
Also es ist nicht die Menschheit, sondern es gibt ein Verwaltungsapparat, der der Staat ist quasi, der dann damit umgehen muss, was dann die Physikerinnen und Physiker entwickeln. Und das finde ich halt irgendwie so krass bei Bei dem Film, ne?
Also, für wen macht man das?
Ja, also die schaffen quasi das Licht, also das Feuer geben ist und es gibt keine Menschheit, das ist ein Prometheus-Mythos, ne?
Das heißt, du kannst die Menschheit, aber du gibst es quasi in einer Institution, wo halt so Mittelmäßigkeit angesagt ist, ne? Die Politiker sind halt Mittelmäßig und die müssen halt irgendwie damit umgehen, machen Politik damit, ja?
Und gleichzeitig hast du es aber von denen, die halt ganz oben stehen, im Intellekt, weil die halt einfach so, weil sie einfach die mentale Kapazität haben und übergeben das so und dann kommt es halt in diese Politik, in dieses Umfeld rein.
Ja, und dann wird es halt gegen die selber verwendet und die sind auf einmal auf der Anklagebank.

Oppenheimers Glaube die Bombe sei das Ende aller Kriege


Micz:
[1:05:41] Aber ich glaube, ich glaube, dass das dieses, dass du das Wort mittelmäßig benutzt, das natürlich der Twist jetzt eben oder die Linse des Films, weil natürlich glaube ich schon dann Oppenheimer irgendwie auch einmal checkt, aber die Hydrogenbombe und die Wettrüsten und sowas, ey, wie konnte ich das nicht sehen?
Der hat ja diese große Hoffnung und hält sich da irgendwie daran fest, dass irgendwie diese Bomben, es sind zwei davon gefallen, er war in dem Meeting mit dabei, wo entschieden wurde, auf welche Städte die fällt und so.
Also er war da irgendwie involviert und war gleichzeitig der festen Überzeugung, so wird es im Film dargestellt, wir werden das auch nie wissen, ob er da sich vielleicht auch was in die Tasche gelogen hat und einfach seine Erfindung aussehen wollte, werden wir nicht wissen, aber in diesem Film war es eben so inszeniert, dass er das mitgetragen hat in dem Wissen, dass es das kleinere Übel ist, wenn es gelingt, diese zwei Bomben wirklich dann auch zu nutzen, um zu sagen, nie mehr Jeder Weltkrieg jetzt ist das Ende der Menschheit.

Flo:
[1:06:51] Also wie weit kann man dann halt legitimieren, noch eine größere Waffe, noch... Und dann, ich meine, diese Dynamik von eben diesem Wettrüsten ist ja...
Ein Abschreckungsszenario zu schaffen, um dann den Gegner zu signalisieren, wenn du anfängst, sind wir alle weg.
Und ich mein, das ist jetzt so dieser Punkt ...
Also, das ist, glaub ich, so dieser Geburt der Zivilisation.
Weil Zivilisation ist dann die Fähigkeit, sich komplett selber zu vernichten.
Das ist ja so dieser Punkt der Atombombe. In dem Moment, wenn die Atombombe in der Welt draußen ist, gibt es keine lokalen Konflikte mehr, sondern es gibt eine Globalität von Konflikten, weil Regionen dann außerhalb der Konfliktrandgebiete dann betroffen werden.
Und das ist ja dieser große Schritt, der da passiert mit der Erschaffung der Atombombe.

Völkerrechtliche Sonderrolle der Kernwaffen


Micz:
[1:08:00] Genau, das ist ja auch nochmal dieser qualitative Unterschied, wenn man einfach nur sagt, es ist eine Bombe, also es ist eine Waffe in der Kriegsführung, dann gab es schon mal einen ähnlichen Wunsch auf transnationaler Ebene, die Eindämmung einer fast unethisch brutalen Waffe einzudämmen.
Vor vielen hundert Jahren sollte die Armbrust verboten werden, weil die Armbrust konnte halt durch Rüstung durchschießen und das war wirklich der Versuch wohl zwischen verschiedenen Ländern oder Regionen ein Abkommen zu schließen, dass man Armbrüste im Krieg nicht einsetzt.
Aber in dem Moment, wenn die Atombombe nur als Waffe gesehen wird, dann ist es halt eben skalierbar. Wie lange kann das Schwert sein?
Aber die qualitative Änderung ist halt so, dass die Atomwaffe und das ist jetzt nicht direkter Plot-Spoiler, aber es gab vor dem ersten Test die Überlegung, ob es sein könnte, dass die Atombombe die Atmosphäre entzündet, die ja irgendwie aus Sauerstoff auch groß besteht.
Und man konnte das dann mathematisch fast komplett ausspießen, aber...

Flo:
[1:09:11] Also diese Kettenreaktion durch Kernspaltung, die sich außerhalb dieses kontrollierten Bereich ist, der Zündung der Atombombe überträgt auf die Atmosphäre und das dann komplett die ganze Atmosphäre durchgibt.

Micz:
[1:09:21] Genau, dass die Erde einfach untergeht bei dem ersten Test, erfolgreichen Test und das hat man dann mathematisch fast komplett ausschließen können, hat es dann einfach mal probiert. Dann Theorie am Ende, müssen wir das probieren, hat sich das auch getraut, ist dann nichts passiert, bis heute nicht.
Aber zum Schluss eben dieser Twist, dass Oppenheimer denkt, okay, diesen ersten möglichen theoretischen Weltuntergang für die erste Zündung von der ersten Atombombe beim ersten Test.
Die hat zwar die Welt nicht zum Ende gebracht, aber trotzdem ist mit der Atombombe die Welt jetzt, das ist nur noch eine Frage der Zeit, also der Tod der Zivilisation ist jetzt einfach da.

Holocaust und Atombombe das Ende der Geschichte


Flo:
[1:10:05] Der Tod der Zivilisation und quasi der Endpunkt der Geschichte, das ist ja auch so, das ist ja das, was dann halt später in der Nazi-Ära, das war ja das Ende der Geschichte, war ja quasi der Ausgang, das ist der Fall der Nazizeit und die Erschaffung der Atombombe.
Das ist ja irgendwie so ein Endpunkt in der Zivilisationsgeschichte gefallen.

Gehen wir in den Film oder in den Zeitgeist?


Micz:
[1:10:36] Wie gehen wir jetzt so weiter vor? Weil ich glaube, wir haben jetzt zwei Türen, durch die wir gehen können. Das eine ist quasi in den Film hinein, so in formale Themen, in erzählerische Themen.
Was war im Film? Was hat uns da irgendwie bewegt?
Das andere ist, die andere Tür ist quasi, was ist die Parabel, warum jetzt, warum kommt dieser Film jetzt, was hat der jetzt mit uns hier zu tun?
Was ist so die Tür, wo du durchgehen würdest?

Flo:
[1:11:00] Also jetzt ganz kurz, ich glaube, wenn ich wählen könnte, das eine haben wir schon ein bisschen angerissen. Vielleicht kann man da...

Micz:
[1:11:08] Du kannst wählen, ich bin für beides offen, also beide Türen sind zu, ich bin für beide offen.

Flo:
[1:11:12] Ich glaube, die einen haben wir schon so aufgestoßen, wir haben schon über die Dramaturgie gesprochen, wir haben über die Erzählweise gesprochen, wir könnten jetzt noch mal ein bisschen näher in die Figurengestaltung und die Schauspieler reingehen, aber ich glaube, das ist nicht interessant bei dem Film, weil die Schauspieler sind einfach nur, wie soll man sagen, die sind dann Ausstattung, Accessoire, um den Film dann zu gestalten.
Das ist halt wirklich so Figuren-Träger, Geschichten-Träger so.

Micz findet Cillian Murphy zum ersten Mal richtig gut


Micz:
[1:11:43] Aber das würde ich insofern hinterfragen, weil...
Cecilien Murphy, der kommt ja in sehr, sehr vielen Nolan-Filmen vor.
Und der hat auch noch ein paar andere Filme gemacht, ne? So Red Eye war so ein Horrorfilm.
Sunshine war, glaube ich, auch so ein Film. Der hat gleich bei 28 Days Later auch mitgemacht.

Flo:
[1:12:04] Hat der? Ich glaube, ja.

Micz:
[1:12:06] Und auf jeden Fall ist das die erste Rolle, wo ich jetzt einfach sagen kann, toller Schauspieler.
Ich hatte den nie so wirklich greifen können. Aber ich finde, da hat er sich jetzt wirklich gefunden.
Teilweise gibt es ja auch diese Gegenüberstellung von diesem Coverpick von dem Pulitzer Prize-winning Oppenheimer Buch und Murphy, der halt so ähnlich auch irgendwie diesen leeren, glasigen Blick hat, der in irgendwas anderes zu schauen scheint, also der nicht wirklich fokussiert.
Es gibt ja diesen Pragmatiker dann auch, als er anfängt, ich habe den Namen vergessen, Das ist so ein Schauspieler, der sich so zupackt, der hat auch irgendwie so All-American-Boy mit Brille, so ein smarter Typ, den man auch mag, der dann auch irgendwie nicht gegen Oppenheimer aussagt, dass es der irgendwie auch raushält, obwohl er auch gegen die Kommunisten, gegen die Gewerkschaften ist.
Aber der ist total fair und sich selbst treu durchzieht.
Und Oppenheimer ist halt irgendwie der, wo der Blick nicht in der Praxis ist, sondern der Blick ist irgendwie hinter die Dinge. Und das, finde ich, hat der Schauspieler wirklich gut hinbekommen.
So, es war wirklich ein gutes Match.

[1:13:23] Nolan hat immer auf ihn gesetzt. Ich habe das nie so richtig verstanden.
Er hat jetzt ja auch dann, glaube ich, eine Netflix-Serie, dieses Peaky Blinders über die Birmingham Gangs. Irgendwie da spielt er auch eine Hauptrolle.
Habe ich aber noch keine einzige Folge gesehen.
Aber jetzt hat er mir da als Schauspieler wirklich sehr, sehr gut gefallen, muss ich sagen.

Flo:
[1:13:41] Ja, fand ich auch stark. auf jeden Fall, das kann ich so bestätigen.

Tiefe Frequenzen aus der Quantenwelt im Sound-Design


[1:13:49] Okay, wir haben jetzt so zwei Gates vor uns, das eine haben wir so ein bisschen aufgestoßen, da wolltest du so ein bisschen noch nachfragen.

Micz:
[1:13:58] Ja, also wenn wir bei dem erstmal drinbleiben, im Film, dann wäre dieses Soundthema, also Musik hast du schon angesprochen, generell, the use of sound fand ich halt schon ganz interessant, weil diese ganz, also wir waren wirklich im großen Kino, haben das auf Projektion geguckt, 70 mm IMAX Kamera, wo das gedreht wurde, hatten dementsprechend auch eine sehr gute Sound Anlage und da war diese ganz tiefen Bässe, die fand ich halt irgendwie echt, die fand ich ganz toll, weil ich fand die tiefen Bässe ganz am Anfang auch schon mit seinen fast schon Halluzinationen, die er so hatte, wo so Teilchen flirren, Energiebögen irgendwie so bildhaft irgendwie so beim vor seinem inneren Auge oder auch in der Welt, wo er hingeguckt hat, so sichtbar war. Und dann kamen eben auch so ganz tiefe Bässe.
Und das fand ich ganz spannend, weil es hatte sowas Bedrohliches.
Und es ging irgendwie da ja auch schon um diese Teilchenphysik, diese Quantenphysik, diese Quantenmechanik.
Und diese Basslastigkeit fand ich war sehr schön.

[1:15:13] War ein sehr schönes bild nicht aber sehr schöner ton der effekt für diese diese noch nicht gehobene kraft in der materie und das fand ich ganz toll und das wurde immer wieder auch eingeführt dann später als dann die bombe gefallen war die japaner haben kapituliert und dann wurde er dann noch auf los alamos wurde er dann hat so vor allen hatte dann so eine kurze Rede gehalten und die trampelten mit den Füßen und waren auch wieder ganz viel besser reingemischt.
Es gab so ganz viele Sachen, wo es halt dann irgendwie nicht um Emotionen ging, auch nicht irgendwie um große militärische Dinge, die sich irgendwie anwahren, sondern wirklich diese Macht, Diese Macht der Teilchen.

Flo:
[1:16:01] Ja, ich finde auch, also normalerweise bin ich sehr sensibel gegenüber Lautstärke im Kino, aber zu dem Film hat es dazu gehört, dass es extremst laut war an einigen Stellen und man so auch eigentlich physisch den Bass gespürt hat, gerade mit der nachkommenden Explosion der Bombe, des Bomben-Tests von Trinity.

Stille und Körper bei Oppenheimer, Cop Land, There Will Be Blood


[1:16:30] Das fand ich auch großartig inszeniert auf der Sound-Ebene, wo dann erst mal rein optisch dann erst mal nur dieser Lichtblitz zu sehen war und alle waren und dann hat er auch wieder da diese unglaubliche Nähe zu den einzelnen Körpern durchs Atmen und durchs Erleben des Lichtblitzes und das war auch der Moment war sehr lange inszeniert.
Man hat das aus verschiedenen Perspektiven, aus verschiedenen Einstellungen von den Beteiligten gesehen.
Und dann kam halt dieser unglaubliche Donner, dieser Schlag, der Bombe.
Und das hatte ich halt fast vom Kinostuhl weggerissen. Also das fand ich auch super eingesetzt und inszeniert von dem Film.

Micz:
[1:17:21] Hast du eine Ahnung, wenn ich sage, das hat mich an eine ganz andere Art von Filmen erinnert? An welchen Film ich da...
Denke mit sylvester stallone es gibt diesen film copland wo sylvester stallone so ein cop spielt drumherum ist halt die new jersey mafia und die bullen sind alle irgendwie involviert und er will aber dann irgendwie jemanden wirklich schnappen und dann kommt es zu so einem unfall und ich glaube es ist ein unfall aber auf jeden fall hat er sein gehör verloren es piepst nur noch Und dann passiert so eine ganze Zeit, passiert dann halt irgendwie richtig viel Action, aber komplett ohne Ton.
Und das ist fast doppelt eindringlich, weil man einfach seine Begrenztheit dann irgendwie in dieser Abwesenheit von dem Ton noch mal erlebt.
Und daran musste ich irgendwie denken, dass das ein ganz anderer Film ist.

Flo:
[1:18:15] Ja, stimmt. Jetzt wo du das sagst, mir fällt auch noch ein anderer Film ein, wo so mit Sound gearbeitet wird.
Der Wilby Blatt von Chris Anderson, wo der, kennst du den Film?

Micz:
[1:18:37] Ja.

Flo:
[1:18:38] Wo dann auch diese Explosion ist und die auf Öl stoßen und dann auch erstmal so ein Fiepen und der Sohn des Hauptdarstellers sowieso dann taubstumm ist und nicht hören kann.
Ja, stimmt. Und dann gibt es auch so einen Sound, wo dann erst mal der aussetzt und diese Explosion kommt. Und das wird ja körperlich erlebbar im Kino.
Du hast ja diese Hitzewelle, die spürt man ja dann irgendwie von der Explosion.
Das ist sehr eindringlich inszeniert.

Licht ist Erleuchtung und Tod


Micz:
[1:19:11] Und dieses Licht, also das ist auch schon toll gemacht. Es gibt immer wieder Momente, wo das dann auch nochmal aufgegriffen wird, wo einfach eben das Licht hochgedreht wird. Aber in dem Moment wird das Licht wirklich inszeniert. Also es ist ganz grelle.
Es ist ganz früh am Morgen. Es ist alles noch dunkel. Aber diese ersten Lichtblitze, die sind Kilometer weit entfernt von der Bombe. Das heißt, bis dann der Schall ankommt mit 330 Metern.

Flo:
[1:19:38] Neun Kilometer, also das heißt, das sind 18 Sekunden.
Ne Quatsch, das sind 27 Sekunden. Und es war tatsächlich vielleicht so, ich 27 Sekunden.
Also so von der Zeit her. Und ich habe auch die ganze Zeit darauf gewartet, weil es war so klar, dass es jetzt so erstmal dieser Moment ist.
Und dann war klar, es kommt gleich was, wo du ja irgendwie einen Anorak anziehen musst.
Also akustisch, um dann halt diesen Rausch zu hören.
Also dieser Umgang mit Sound und auch dann, wie würdest du das interpretieren?
Und dann fängt es ja an, du hast gerade die Szene beschrieben, wo dann alle trampeln und das Projekt war erfolgreich und die wollen dann Oppenheimer feiern.
Er kommt rein und er sieht dann aber auch immer wieder in solchen Momenten auf einmal so einen völlig überbelichteten Saal.
Er sieht die Gesichter, sieht die fast verzehrt und man kann den nicht mehr zwischen den Opfern eines Atomschlags unterscheiden, weil die auch so leicht zerfleddern.

Oppenheimers Rede in Los Alamos nach Hiroshima


[1:20:48] Und einmal tritt er dann sogar auf so eine verkohlte Leiche.
Also so ist er dann auch.

Micz:
[1:20:55] Ich meine, das finde ich jetzt einfach nur eine bildliche Darstellung von diesem.
Es dämmert ihm. Also es war ihm ja immer schon klar, aber er war noch in dieser theoretischen Physik. Er war mit bei der Entscheidung. Da sind die Bomben gefallen.
Er hat dann auch nicht mehr Kontakt mit dem Militär. Das Alamos komplett ist irgendwie abgeschnitten, ihr fahrt übers Radio und erst als es im Radio verkündet wird, dass vor 18 Stunden diese Bombe gefallen ist auf Hiroshima, erst dann ruft auch sein General Bezugsperson an, der mit ihm das Ganze gestartet hat, der ihm versprochen hatte, ich bleibe mit ihnen so gut wie möglich in Kontakt.
Also es ist klar, dass sie auch abgeschnitten sind.

Flo:
[1:21:31] Ja genau, das ist der Moment, wo die jetzt dann draußen sind.
Also das ist halt irgendwie, die haben geliefert.

Micz:
[1:21:36] Dann hat er dieses Gespräch, Also, Entschuldigung, diese Ansprache an sein Team und an die Familien auch. Also es ist ja über die Jahre hinweg dann auch wirklich ein Dorf, wirklich geworden so.
Oppenheimer ist in dem Moment, glaube ich, sich erst bewusst nach dieser Euphorie, dieser Schlaflosigkeit und dieser Testsachen und sowas.
Dann ist diese stille Phase und als er dann vor seinen Leuten spricht, dann kommt es ihm, glaube ich, erst so hoch und es wird bildlich umgesetzt.
Dieser Blitz, diese Strahlung, dieses Zerfleddern von Körpern, dieses Verbrennen von Körpern, das hätten auch alles wir sein können.
Also das ist dann auf alle Fälle der Sprung in dieses Ethisch-Moralische, auch zu sagen, es muss jetzt einfach diese Bombe gewesen sein, die alle Kriege beendet.
Das war, glaube ich, der Moment, wo es noch mal für ihn so ganz eindrücklich spürbar war. Wir sind alles Menschen auf dem gleichen Planeten.
Und dass es jetzt bei denen passiert und ich habe da irgendwie wie er später auch beim Präsidentsaal. Ich habe Blut an meinen Händen.
Aber das haut ihn dann einfach aus der Bahn in dem Moment.

Emily Blunts Rolle bringt die Emotionen in die Männerwelt


Flo:
[1:22:45] Und ja, jetzt würde ich ja gerne so diese zweite Tür aufmachen, die du angedeutet hast, da so ein bisschen näher drüber zu sprechen, weil ich glaube, wie wir über den Filmsound und so weiter, haben wir jetzt schon mehr oder weniger besprochen.
Das heißt, du willst da noch mal was zu sagen.
Aber ich würde jetzt genau diese ethisch-moralische, weil du hast es ja auch so gerade so schön beschrieben jetzt.

Micz:
[1:23:06] Ich möchte an das Brückefleisch für diese andere Tür nur noch kurz Emily Blunt erwähnen.

Flo:
[1:23:11] Das war ja klar. Das ist du, Emily. Ja, ich weiß.

Micz:
[1:23:15] Und ich fand, dass sie in diesem Film auch noch mal etwas, was man über Einstein schon irgendwie gesagt hat.
Einstein hat halt nur funktionieren können, weil seine Frau ihm immer alles zurechtgelegt hat, sich um alles gekümmert hat, ihm komplett den Rücken freigehalten hat.
Bei Oppenheimer ist es so, dass Emily Blunt nicht nur für ihn, sondern stellvertretend für alle Männer, die in diesem Diskurs drin sind, dieses Emotionale reinbringt.
Es geht schon damit los, dass sie halt die ist, die trinkt, als sie so ein Crybaby haben, was halt wohl immer schreit, sie hält's nicht mehr aus, und dann bringt er das Kind weg, weil er's nicht irgendwie annehmen kann, damit umgehen kann.
Die, die quasi das Leben lebt und auch die Emotionen spürt, die den Leuten nicht die Hand schüttelt, als er später Medaillen kriegt.
Die halt auch irgendwie bei dieser Anhörung als Zeugin in gewisser Weise auftritt und den Ankläger, der ja nicht wirklich ist, zerlegt wie kein anderer.
Also die außerhalb der Politik ist und die sagt so, hey, du kannst doch hier nicht einfach nur Märtyrer werden, du musst auch mal kämpfen.
Und das ist sie, die das irgendwie so macht.

[1:24:35] Und ähm... Ja, also das Emotionale, das finde ich, bringt sie da als in ihrer Rolle so rein.
Und damit können wir jetzt vielleicht diese andere Tür öffnen, so dieses, warum jetzt dieser Film? und.

Warum jetzt dieser Film?


Flo:
[1:24:52] Genau, warum jetzt? Also diese ethische ...
Also, ich mein, es gibt, glaub ich, keine dramatischere Figur als dann Oppenheimer.
Also, das find ich wirklich so, diese Konfrontation, dieses Bildliche.
Er hat die Atombombe geschaffen und damit ein neues Zeitalter eingeleitet, ne? Mhm. Wie kommt der mit dieser Verantwortung klar?
Ja, und das ist dieser Prometheus und vielleicht eben, na, also, diese, diese, diese, ich bring das Feuer der Menschheit und ich werde dafür bestraft und mir wird die Leber so ein bisschen weggegessen.
So, ne, das ist ja so dieser, dieses Payback, ok, du hast deine Leber und das ist halt so die McCarthy-Ära, ok, die haben so ein bisschen ihre Leber weggegessen, aber ich finde, darum geht's gar nicht.
Das ist nicht der Punkt bei dem Film. Ich finde, das ist vielleicht der Punkt bei der Biografie. Aber ich finde nicht ...
Ich finde es nicht entscheidend, dass er dann so eine Läuterung irgendwie durchmacht.
Sondern es wird noch überpersönlich.

Micz:
[1:26:02] Ja.

Flo:
[1:26:04] Weißt du,